Polly Blog Stew

20.07.2010Filme: Kisses, Howl, A Film Unfinished, The Radiant Child

Oscilloscope Laboratories hat wieder einige gute Indy-Filme im Anschlag: Kisses und Howl. Außerdem gibt es inzwischen auch einen Trailer zum Dokumentarfilm A Film Unfinished und ein Interview mit Tamra Davis über The Radiant Child.

Kisses erzählt die Geschichte zweier Nachbarskinder aus Dublin, welche zusammen von Zuhause abhauen, um ihrer schwierigen sozialen Situation zu entfliehen. Ein Film über Freundschaft, Vertrauen, Überleben, Träume und Dublin, inklusiv Bob Dylan.

Howl ist ein Gedicht von Allen Ginsberg, dessen Veröffentlichung mit Begründung der Obszönität verboten werden sollte, aber das zuständige Gericht dem Werk eine herausragende gesellschaftliche Bedeutung zubilligte, wodurch auch Ginsberg zu einem der wichtigsten und bekanntesten Autoren der Beat-Generation wurde. (via StarTribune.com)

Über A Film Unfinished hatten wir schon im April auf PBS berichtet. Inzwischen gibt es auch eine Trailer. Der Film beleuchtet die Propaganda-Aufnahmen der Nazis über jüdisches Leben im Warschauer Ghetto 1942.

Weitere Trailer von über Oscilloscope Laboratories veröffentlichte Filme findet ihr im OscopeLabs-Tube.

Abschließend sei noch das Interview mit Tamra Davis im New York Times-Blog über The Radiant Child erwähnt, ein Dokumentarfilm über Jean-Michel Basquiat, auf den PBS schon im März hingewiesen hatte.

26.04.2010A Film Unfinished: Yael Hersonski’s “Shtikat Haarchion - Geheimsache Ghettofilm”

Filmplakat: A Film Unfinished (2010) Adam Yauch hat mit Oscilloscope Laboratories die nordamerikanischen Distributionsrechte für den Film “A Film Unfinished” (deutscher Titel: Geheimsache Ghettofilm) erworben. “A Film Unfinished” dokumentiert die Entstehung und Inszenierung eines Films, den die Nazis 1942 im Warschauer Ghetto kurz vor der Deportation der Ghettobewohner nach Treblinka gedreht, aber nie fertiggestellt haben.

Der geplante Film der Nazis stellt das vermeintliche Luxusleben von Juden im Ghetto dar, kontrastiert von Einstellungen, welche das Leiden der Bevölkerung zeigen. Da der Film — eventuell durch die veränderte Kriegssituation, die Gründe sind ungeklärt — nie fertiggestellt wurde, konnte bis jetzt auch nicht der ursprüngliche geplante Verwendungszweck geklärt werden. Es ist anzunehmen, dass er, wie zuvor schon “Jud Süß” und “Der ewige Jude” (beide 1940), für antisemitische Propaganda der Nationalsozialisten geplant war.

1956 wurde eine Rohschnittfassung im Staatlichen Filmarchiv der DDR gefunden, nach weitgehender Sperrung des Materials gelangten 1968 Ausschnitte in eine Dokumentation der BBC (Quelle: Bundesarchiv). Inzwischen wurden die Aufnahmen der Nazis in verschiedenen Filmen und Dokumentationen als “Archivaufnahmen” genutzt, aber erst Yael Hersonski’s Film geht Fragen nach Hintergründen und propagandistischer Inszenierung bei der Herstellung nach.

Ziel war es den krankhaften und bösen jüdische Charakter zu porträtieren, den die Nazis diesen Menschen bescheinigt hatten. Wie also kann man Filmbilder, die mit solch einem Auftrag gefilmt wurden als dokumentarisch verstehen? Wo ist die Grenze zwischen Inszenierung und Wahrheit? Diesen Fragen geht der Film über den Film nach. Sorgfältig trennt Yael Hersonski in ihrer Dokumentation Fakt von Fiktion. Sie lässt Überlebende des Ghettos das Material betrachten und verifizieren, welche Teile echt und welche gestellt waren. Und auch die Toten aus Warschau kommen zu Wort. Anhand zahlreicher Aufzeichnungen von Ghettobewohnern, die mit der Vorahnung des Todes alles noch so kleine in ihrem Leben dokumentierten, erarbeitet sich langsam ein Bild über die Umstände des Filmes. Viele Sequenzen, so stellt sich heraus, waren immer und immer wieder geprobt worden. Es sollte, so das Propagandaministerium, der Unterschied gezeigt werden zwischen den reichen Juden, die selbst im Ghetto in Saus und Braus leben und den ärmeren, welche unter den Augen ihrer reichen Mitbürger verrecken. So ließen Offiziere Juden unter Gewaltandrohung in ein Restaurant kommen, in dem die noch halbwegs gut Genährten lustige Abende bei Fleisch und Wein fingieren mussten.

aus
Rezension bei kino-zeit.de

“A Film Unfinished” wurde erstmal beim Sundance Film Festival 2010 gezeigt und lief im Februar auch auf der Berlinale. Offiziell wird der Film laut Reuters ab 18. August 2010 in ausgewählten US-Kinos gezeigt. Produziert wurde der Film gemeinschaftlich von MDR, dem SWR, Arte und dem Israelischen Fernsehen.

Es gibt momentan keine Infos darüber, ob und wann der Film in die deutschen Kinos kommt — wir nehmen an, dass er irgendwann im Arte-Programm zu sehen ist.

07.03.2010Oscar für O-scope?

Adam Yauch (Oscilloscope Laboratories) Heute werden wie jedes Jahr die Oscar - Filmpreise in Los Angeles verliehen. Diesmal stehen unter anderem zwei Filme von Adam Yauch’s Film-Label Oscilloscope Laboratories auf der Nominierungsliste.

In gleich zwei Kategorien tritt der Film The Messenger an. Woody Harrelson, auch bekannt aus Natural Born Killers, kann sich Hoffnungen auf den Preis für den “Besten Nebendarsteller” machen. Als Captain Tony Stone übermittelt er Familienangehörigen die Todesnachrichten im Irak gefallener U.S. Soldaten. Alessandro Camon und Oren Moverman haben das Drehbuch zum Film geschrieben und sind in der Kategorie “Bestes Original Drehbuch” nominiert.

Mit Burma VJ dokumentiert Anders Østergaard die riskante und mutige Arbeit einer Gruppe anonymer Videojournalisten (Democratic Voice of Burma). Zum Teil nur mit Handykameras ausgerüstet, hielten sie die blutigen Proteste auf den Strassen Burmas 2007 fest - stets in Gefahr selbst in den Fokus des repressiven Regimes zu geraten. Der Film ist in der Kategorie “Beste Dokumentation” im Wettbewerb.

Na das sind ja mal wieder positive Nachrichten von und für MCA. Nur zwei Jahre nach Gründung von Oscope spielt das Label schon ganz oben mit und das in Zeiten, in denen es längst nicht mehr für jeden in der Filmbranche läuft, wie kürzlich das Ende für den Filmverleih Miramax verdeutlicht hat.

Im Interview mit der L.A. Weekly spricht MCA darüber, was Oscope von den Großen der Branche unterscheidet. MCA zwischen Movies und Musik - Bleibt zu hoffen, dass die nächste Scheibe der Beastie’s auch wieder ganz weit vorne landen wird.

07.02.2010Frygtelig lykkelig — Terribly Happy

Adam Yauch hat sich diesmal einen dänischen Film für seinen Indepentent-Vertrieb Oscilloscope geschnappt. Dass die Dänen verdammt gute Filme machen können — unabhängig vom Genre — wissen wir. Beispiele gibt es soviele, dass man sie nicht aufzählen kann (nutzt die Kommentarfunktion!). Und oft, egal ob Kömodie oder Thriller, kommt noch dieser ganz spezielle bitterböse, aber irgendwie liebenswerte, Humor zum vorschein. Eine weitere Gemeinsamkeit mit anderen skandinavischen Filmen: die Handlung spielt irgendwo in einem unbekannten Kaff. Der Film wird vom Vertrieb mit Blood Simple und No Country For Old Men von den Coens verglichen.

Eine kurze Inhaltsangabe gibt es bei Oscilloscope, ein längeres Review bei der Los Angeles Times. Ich hoffe, der Film kommt auch bald in die deutschen Kinos, konkrete Hinweise darauf haben wir leider noch nicht gefunden.

29.10.2009I Fuckin’ Shot the Visions #200

Die Visions feiert sich und ihre 200. Ausgabe und packt mit dem Jubiläumsheft noch eine DVD mit rein: Awesome, I Fuckin’ Shot That! Genau die Beastie Boys-DVD, welche eigentlich alle zuhause haben sollten, um zukünftige Konzertmitschnitte generell daran zu messen.

Wir konnten hier noch nicht checken, ob es Unterschiede zwischen der Visions-Version und der Original-DVD gibt, aber das sollte euch nicht abhalten, euch noch eine dieser DVDs zu schnappen.