Adam Yauch hat mit Oscilloscope Laboratories die nordamerikanischen Distributionsrechte für den Film “A Film Unfinished” (deutscher Titel: Geheimsache Ghettofilm) erworben. “A Film Unfinished” dokumentiert die Entstehung und Inszenierung eines Films, den die Nazis 1942 im Warschauer Ghetto kurz vor der Deportation der Ghettobewohner nach Treblinka gedreht, aber nie fertiggestellt haben.
Der geplante Film der Nazis stellt das vermeintliche Luxusleben von Juden im Ghetto dar, kontrastiert von Einstellungen, welche das Leiden der Bevölkerung zeigen. Da der Film — eventuell durch die veränderte Kriegssituation, die Gründe sind ungeklärt — nie fertiggestellt wurde, konnte bis jetzt auch nicht der ursprüngliche geplante Verwendungszweck geklärt werden. Es ist anzunehmen, dass er, wie zuvor schon “Jud Süß” und “Der ewige Jude” (beide 1940), für antisemitische Propaganda der Nationalsozialisten geplant war.
1956 wurde eine Rohschnittfassung im Staatlichen Filmarchiv der DDR gefunden, nach weitgehender Sperrung des Materials gelangten 1968 Ausschnitte in eine Dokumentation der BBC (Quelle: Bundesarchiv). Inzwischen wurden die Aufnahmen der Nazis in verschiedenen Filmen und Dokumentationen als “Archivaufnahmen” genutzt, aber erst Yael Hersonski’s Film geht Fragen nach Hintergründen und propagandistischer Inszenierung bei der Herstellung nach.
Ziel war es den krankhaften und bösen jüdische Charakter zu porträtieren, den die Nazis diesen Menschen bescheinigt hatten. Wie also kann man Filmbilder, die mit solch einem Auftrag gefilmt wurden als dokumentarisch verstehen? Wo ist die Grenze zwischen Inszenierung und Wahrheit? Diesen Fragen geht der Film über den Film nach. Sorgfältig trennt Yael Hersonski in ihrer Dokumentation Fakt von Fiktion. Sie lässt Überlebende des Ghettos das Material betrachten und verifizieren, welche Teile echt und welche gestellt waren. Und auch die Toten aus Warschau kommen zu Wort. Anhand zahlreicher Aufzeichnungen von Ghettobewohnern, die mit der Vorahnung des Todes alles noch so kleine in ihrem Leben dokumentierten, erarbeitet sich langsam ein Bild über die Umstände des Filmes. Viele Sequenzen, so stellt sich heraus, waren immer und immer wieder geprobt worden. Es sollte, so das Propagandaministerium, der Unterschied gezeigt werden zwischen den reichen Juden, die selbst im Ghetto in Saus und Braus leben und den ärmeren, welche unter den Augen ihrer reichen Mitbürger verrecken. So ließen Offiziere Juden unter Gewaltandrohung in ein Restaurant kommen, in dem die noch halbwegs gut Genährten lustige Abende bei Fleisch und Wein fingieren mussten.
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- Rezension bei kino-zeit.de
“A Film Unfinished” wurde erstmal beim Sundance Film Festival 2010 gezeigt und lief im Februar auch auf der Berlinale. Offiziell wird der Film laut Reuters ab 18. August 2010 in ausgewählten US-Kinos gezeigt. Produziert wurde der Film gemeinschaftlich von MDR, dem SWR, Arte und dem Israelischen Fernsehen.
Es gibt momentan keine Infos darüber, ob und wann der Film in die deutschen Kinos kommt — wir nehmen an, dass er irgendwann im Arte-Programm zu sehen ist.
von Haschek
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