Polly Blog Stew

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Der Record Store Day ist inzwischen reichlich 1 Monat her — Zeit, um ein kurzes Fazit zu ziehen. Auch die Beastie Boys hatten eine “Super Surprise”-12inch beigesteuert. Mit Ladenöffnung erzählten sich Fans ihre Erfolgs- und Leidensgeschichten im Beastie Boys-Forum.

Wie so oft startete auch der RSD vor einigen Jahren als kleine Aktion und wuchs rasch. Eine prinzipiell sehr gute Idee wurde durch den Markt einfach ausgehebelt.

Record Store Day started as a grass-roots annual event designed to remind folks that brick-and-mortar indie record stores still exist. In just a few years, it has grown into a mini industry.

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Record Store Day puts a new spin on clever marketing

Die Idee ist sehr gut: lockt Musikfans mit sehr exklusiven Veröffentlichungen wieder in die unabhängigen Plattenläden nebenan, sichert damit das Überleben dieser Läden neben den großen Ketten, wo sonst nur musikalischer Einheitsbrei zu bekommen ist, und kurbelt den Verkauf von physischen Tonträgern wie Vinyl und CD wieder an. Die Preise für die Veröffentlichungen sind erstmal im Normbereich angesiedelt, so kostete die Beastie Boys-Single mit 2 Remixen/Mashups so um die 6 bis 10 US-Dollar.

Der Markt macht inzwischen folgendes daraus: Händler und “Spekulanten” kaufen die Veröffentlichungen von bekannten und gerne gekauften Bands, einzig mit der Absicht, diese Platten z.B. über Ebay für das Vielfache des Einkaufspreises anzubieten. Da die Releases für den RSD im Bezug auf Ausstattung, Zusammenstellung oder Stückzahl wirklich exklusiv und besonders sind, ist das sehr erfolgsträchtig. Die Single der Beastie Boys tauchte schon kurz nach Start des RSD für bis zu 100 US-Dollar bei Ebay auf, bei anderen Künstler gab es sogar Preise bis zu 500 USD.

Gut, für die teilnehmenden Labels und Läden ist das nicht unbedingt ein Nachteil — die Geschäfte liefen richtig gut, wie die groben Statistiken bei Billboard zeigen, zum Teil wurden die Umsätze von Weihnachtsverkäufen übertroffen. Auch im Sinne von Aufmerksamkeitsökonomie ist das alles nicht abträglich, davor, danach, der RSD bleibt im Gespräch.

Für Fans und Sammler ist es natürlich umso ärgerlicher, wenn der “Ebay-Kapitalist” vor ihnen in der Schlange steht und gleich alle drei verfügbaren Exemplare des begehrten Releases aus dem Laden trägt. Das ist leider nicht zu ändern, aber eventuell könnte eine leichte Umstrukturierung des RSD den Effekt etwas abfedern. Wenn z.B. 150 Releases zur Verfügung stehen, könnten 50, wie bisher, an einem speziellen Tag in die Läden gehen — die restlichen 100 werden über das Jahr verteilt, am besten per Zufall. Nur als Idee aus dem Bauch heraus, ob das organisatorisch Sinn macht, habe ich nicht weiter überlegt. Der Spekulant müsste nun zumindest sehr viel Zeit investieren, um die wirklichen Schätze zu bekommen. Der Vinylfan hingegen hat sowieso oft ein freundschaftliches Verhältnis zu seinem Plattendealer, wird also durchaus auch angerufen, wenn eine bestimmte Veröffentlichung eintrifft.

Eine weitere Kritik gibt es noch am RSD: es müsste von Anfang an klar sein, welche Releases wo gekauft werden können. Natürlich kann nicht jedem Laden jedes Release zugesichert werden, und eine später zufällige Verteilung je nach Bestellung durch die Läden macht Sinn. Aber es sollte klar sein, wenn ein Release z.B. nur in den USA erhältlich sein wird. Die “Super Surprise” der Beastie Boys hat es bswp. nie nach Kanada oder Europa geschafft. Gründe gibt es sicher viele, Lizenzen könnten dafür verantwortlich sein. Aber die Organisatoren vom RSD könnten US-only Releases durchaus als solche ausweisen. Das erspart den Fans in anderen Ländern zumindest viel Energie und man verdichtet seine Hoffnungen gleich auf Ebay (sofern man die Spekulanten unterstützen möchte).

Die “Super Surprise”-12inch ging später, nach den anfänglichen Peaks, durchschnittlich für 25 EUR über die Ebay-Ladentheke, ein für Sammler durchaus akzeptabler Preis. Wer einfach nur mal reinhören will, bitte sehr:

Seite A: Here’s A Little Something For Ya Vs The Number Song (DJ Shadow Remix)

Seite B: Lee Majors Come Again Vs Da Funk (Cut Chemist Remix)

Beide Songs sind bei DJ Hero mit dabei, die Mixes auf der 12inch können natürlich auch etwas anders klingen, who knows …


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