Ich hab’s erzählt, also ist es wahr
Nachdem ich die Arbeit auf dem Endless Summer Festival trotz aller Strapazen gut überstanden habe, muss ich hier einfach mal auf etwas fast völlig ausser der Reihe hinweisen bzw. eine ganz dicke Empfehlung aussprechen. Das Festival selber hatte übrigens noch soviel Beastie-Bezug, dass ich mit Murphys Law ein paar Akteure aus dem Fight for your right Video auf “meiner” Bühne hatte. Aber zurück zum eigentlichen:
Kinderzimmer Productions haben mit Asphalt eine neue Platte am Start! Und auch die neue Platte ist grandios wie die Vorgänger, etwas geradliniger vielleicht. Textor rapt sich wie gehabt durch Minigeschichten und leicht kopflastige, aber immer wieder spannende Texte — irgendwo zwischen Metapher und leichter Überheblichkeit (”Ich brauche keine Freunde, ich habe Massenappeal”). Quasimodo zieht auch wie eh und je seine Sampling-Orgien durch, fern jeder Synthiebeats hat er wieder ganz tief in die Platten- und Zitatenkiste gegriffen. Q-Mo kann sich sicher auch mehrmals Jurassic 5’s Acid Prophets reinziehen — zumindest sehe ich da einige Ähnlichkeit :)
Um das ganze jetzt doch noch zu beastiefizieren: neben Gemeinsamkeiten bei den Samples (auf Asphalt findet sich auch ein Hold it now von Kurtis Blow), wurde auf älteren Kinderzimmer Platten auch schon von der Check Your Head zitiert (bzw. auch wieder ein gleiches Sample verwendet) und in einem aktuellen Interview würde Quasimodo die eigene Musik auch mit Beastie Boys’ Paul’s Boutique umschreiben.
Auf der myspace-Seite von Kinderzimmer Productions kann man ins volle Album reinhören und auch der monatliche Nähkästchen-Blog lohnt sich als Lektüre. Wenn Textor mal ein Buch schreiben sollte, ich würde es blind kaufen. Es ist unterhaltsam ohne Ende, bisher mit folgenden Themen:
- Januar: Umzug nach Berlin
- März: Überleben in Berlin
- April: KRS One-Konzert
- Mai: Music Promotion mit Guru, Kostprobe:
Zur Orientierung für Nicht-Journalisten noch ein kleiner Exkurs, wie so ein Promo-Tag von der Musikerseite aus abläuft: Man sitzt in einem Hotelzimmer oder Konferenzraum, bekommt etwa alle halbe Stunde Medienvertreter ins Zimmer, und man unterhält sich. Es stehen ein paar Getränke und Snacks auf dem Tisch, und der Vertreter der Plattenfirma, der die Gesprächspartner betreut, während sie aufs Interview warten, wacht über den Zeitplan. Zwischendurch wird die Routine durch einen Fototermin unterbrochen. Wenn man sehr beliebt ist, dann dauert dieses Prozedere sehr lang. Wenn man nicht so beliebt ist, geht es schneller. Wenn man richtig schlimm beliebt ist, geben die Bandmitglieder einzeln Interviews in unterschiedlichen Hotelzimmern. Wenn man höllisch beliebt ist, gibt man Pressekonferenzen. Und wenn man echt krass berühmt ist, gibt man keine Interviews mehr.
- Juli: Joe Jackson in Treptow
- Textor’s Nähkästchen als Feed
Und jetzt ab, Asphalt fressen!
